Wirtschaft + Märkte

Klarer Weg zu nachhaltigen Vergaben

18.08.2021
Die Bauwirtschaft boomt. Aber was passiert bei einem Wirtschaftsabschwung und wenn der Konjunkturmotor Bau zu stottern beginnt? Grund genug, rechtzeitig Maßnahmen zu setzen.
Zur Stärkung der österreichischen Wertschöpfung muss der Fokus auf eine hochqualitative und regionale Beschaffung ausgerichtet werden. In Zusammenarbeit zwischen der VÖPE (Vereinigung Österreichischer Projektentwickler) und der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) wurde zur Konkretisierung unter Mitwirkung der Vergabeexperten von Dr. Heid & Partner ein Leitfaden mit Vergaberichtlinien, Vergabebeispielen und Bewertungssystemen erarbeitet, welcher von den VÖPE-Mitgliedern als Hilfestellung und Grundlage für zukünftige faire Ausschreibungen und Vergaben angewandt wird.
 
Der Leitfaden umfasst drei konkrete Beispiele, welche auf praktischen Erfahrungen zur Gewährleistung von fairen Arbeitsbedingungen und hochqualitativen, nachhaltigen und regionalen fairen Vergaben beruhen.
 
1. Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen als oberstes Prinzip
Auftragnehmer verpflichten sich zu fairen Arbeitszeiten und einer fairen Entlohnung. Damit verbunden ist die Einhaltung der in Österreich geltenden arbeits- und sozialrechtlichen Vorschriften und Branchenstandards. Um volle Transparenz bei den Vergaben gewährleisten zu können, sollen auch Subunternehmer (ab einer Auftragssumme von 100.000 Euro) in der Baustellendatenbank der BUAK (Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse) gemeldet werden. Damit leistet die VÖPE auch einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Lohn- und Sozialdumping.
 
2. Fachkräfte der Zukunft: Lehrlingsausbildung als Kriterium bei Vergaben
Um die Fachkräfte-Ausbildung in Österreich zu unterstützen, soll die Beschäftigung von Lehrlingen bei den Auftragnehmern im Vergabeverfahren stärker berücksichtigt und bewertet werden. Dazu wurde eine eigene Punktebewertungstabelle, welche die Ausbildung von Lehrlingen in den Betrieben stärker bewertet, in den Richtlinien erarbeitet. Gut ausgebildete heimische Fachkräfte sind unsere Zukunft, das unterstützt und forciert die VÖPE mit dieser Maßnahme.
 
3. Regionale Vergaben: Die Wertschöpfung muss in Österreich bleiben und Klimaschutz und Gesundheit ein starkes Kriterium für Vergaben sein
Regionale Unternehmen, nachhaltige Produkte und Klimaschutz werden beim Zuschlag bestmöglich berücksichtigt und bewertet. Dadurch stärken wir regionale Unternehmen und die Wertschöpfungskette. Klimaschutz, die Gesundheit und Sicherheit der ArbeitnehmerInnen stehen bei den Auftragsvergaben positiv im Vordergrund. Dabei werden auch die Länge der Transportwege zur Baustelle berücksichtigt und die Herkunft und Produktionsweise der Produkte transparent dargestellt.
 
Abg. z. NR Josef Muchitsch, GBH-Bundesvorsitzender: „Wo ein Wille ist, da ist ein Weg! Mit diesem mutigen und so wichtigen Schritt der VÖPE bei ihren Compliance- und Verhaltensrichtlinien beweisen die Verantwortlichen Weitblick und Courage. Die österreichischen Projektentwickler leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Lohn- und Sozialdumping, forcieren die Fachkräfteausbildung und setzen weitere Schritte für faire Baustellen und die Gesundheit unserer ArbeitnehmerInnen. Und auch der Klimaschutz wird bei den neuen Vergabekriterien noch stärker berücksichtigt. Die VÖPE-Mitglieder als private Auftraggeber sind damit Vorreiter am Markt und beweisen ein großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserer Gesellschaft. Unkompliziert und zielorientiert haben wir als Gewerkschaft Bau-Holz bei der Ausarbeitung die Chance zur Mitgestaltung bekommen. Danke dafür. Genau so geht eine funktionierende Partnerschaft.“

www.voepe.at/positionen
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