Menschen + Szene

Partizipation bei öffentlichen Bauprojekten

28.05.2018
Welche Bedeutung haben Bürgerbeteiligung und Partizipation bei öffentlichen Bauprojekten? Darüber diskutierten Kommunalpolitiker, Planer und Vergaberechtsexperten bei einer Diskussionsveranstaltung der Ziviltechnikerkammer im Architekturzentrum Wien.
Der Architekturwissenschaftler und Architekturpublizist DI Walter Chramosta hob hervor, dass der soziale Dialog bei der Entwicklung von öffentlichen Bauprojekten eine immer größere Bedeutung bekommt. Das Schaffen von Partizipationsmöglichkeiten im Projektentwicklungsprozess hat gleichzeitig auch Auswirkungen auf die Gliederung und Konzeption der rechtlich möglichen Auftragsvergaben.
Josef Mathis, langjähriger Bürgermeister der Gemeinde Zwischenwasser in Vorarlberg, hat umfassende Erfahrungen in diesem Bereich. Er hat bei der Realisierung kommunaler Bauvorhaben, die Bevölkerung nicht nur in die Vorbereitungsprozesse bis zur Funktionsbeschreibung des Projektes und Ausschreibung eines damit verbundenen Architekturwettbewerbes eingebunden, sondern auch in die Bauarbeiten selbst. Was für die Koordination der Tätigkeiten zwischen Professionisten und Bevölkerung durchaus mit Mehraufwand für den Bauherren verbunden war.
So wurden die Bewohner beispielsweise eingeladen, an der Einbringung eines Stampflehmbodens im Kindergarten mit zu arbeiten. Solche Maßnahmen stärken nicht nur das Bewusstsein der Bevölkerung für baukulturelle Qualität, sondern tragen auch ganz wesentlich zur Akzeptanz in der Bevölkerung für öffentliche Bauprojekte bei.
Der Bürgermeister der Gemeinde Ernsthofen in Niederösterreich, Karl Huber, dessen Gemeinde auch mit dem Baukulturgemeindepreis ausgezeichnet wurde, unterstrich die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung historisch gewachsener Rahmenbedingungen bei der Entwicklung neuer Projekte.
Neben partizipatorischen und gestalterischen Aspekten, stehen bei öffentlichen Bauvorhaben aber immer auch Fragen nach der bestmöglichen Gestaltung und Strukturierung der Auftragsausschreibungen und Vergaben im Mittelpunkt. Denn diese Aspekte entscheiden immer auch mit über die tatsächliche Qualität der Ausführung. Univ.-Prof. Hans Lechner empfiehlt dabei als ein Grundprinzip, immer die strikte Trennung der Vergabe von Planung und Ausführung bei einem Bauprojekt zu beachten. Nur so ist sichergestellt, dass die qualitativen Aspekte eines Projektes im Interesse der Bauherren bestmöglich gewahrt bleiben.
Durch die Novellierung des Bundesvergabegesetzes haben sich auch bei der rechtlichen Ausgestaltung der zulässigen Vergabeverfahren Neuerungen ergeben. Professer Lechner hat dazu gemeinsam mit dem Vergaberechtsexperten Dr. Christian Fink und in Zusammenarbeit mit erfahrenen Praktikern auf Bauherren- und Planerseite einen 1 : 1 für Ausschreibungen verwendbaren Katalog an Mustertexten ausgearbeitet, die diese neuen rechtlichen Bestimmungen berücksichtigen und gleichzeitig einen optimalen Rahmen für eine praxisgerechte Abwicklung von öffentlichen Auftragsvergabeverfahren für Bauvorhaben bieten.
 
www.bestevergabe.at
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