Baustoffe + Bautechnik

Mineralwolle-Abfälle: ganzheitliche Lösung gefragt

14.11.2018
Die Fachvereinigung Mineralwolleindustrie (FMI) fordert eine eigene Abfallschlüsselnummer für alte Mineralwolle-Abfälle und weist auf fehlende Vorgaben für eine auch praktisch umsetzbare, fachgerechte Entsorgung von Mineralwolle hin. Das „Gutachten zu Fragen der Charakterisierung, Einstufung und Abgrenzung von Mineralwolleabfällen“ von Universitätsprofessor Roland Pomberger unterstützt dieses Vorhaben.
Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) plant in den nächsten Wochen und Monaten eine Novelle des Abfallverzeichnisses. Doch FMI-Vorstandsvorsitzender Udo Klamminger warnt: „Mineralwolle-Abfälle, können aufgrund der derzeitigen Regelung praktisch nicht fachgerecht entsorgt werden. Wir brauchen eine ganzheitliche Lösung, um mögliche Folgeprobleme bereits im Vorfeld auszuräumen.“
Wie derzeit entsorgt wird: Änderungen der Vorgaben für den Rückbau von Gebäuden haben dazu geführt, dass Mineralwolleabfälle als eigenständige Abfallfraktion anfallen. Dabei hat sich nun herausgestellt, dass die bestehenden Regelungen für die Entsorgung dieses Abfallstroms in der Praxis nur sehr schwer bis gar nicht umsetzbar sind, da derzeit die Mineralwolleabfälle derzeit auf die gleiche Art entsorgt werden müssen wie asbesthaltige Abfälle.



Was passiert: Dämmstoffe werden nicht nur von Großunternehmen, sondern von überwiegend mittelständisch geprägten Unternehmen eingesetzt: Bauunternehmen, Dachdeckereien, Zimmerer und Holzbauer, Sanitär/Heizung/Klimaanlagenbetriebe, Elektroinstallationsbetriebe, Maler-, Trockenbau-, Fliesenlege-, Stuck- und Fassadenbaubetriebe, etc. nutzen die Vorteile des Baustoffes.
Doch aufgrund der Novellierung fallen für die Entsorgung von Mineralwolle deutlich höhere Kosten an, die beim bis zu 14fachen des früheren Preises liegen.
Die betroffenen Unternehmen müssten also ihre Preise erhöhen – und dadurch Umsatzrückgänge befürchten. Insbesondere in Grenzregionen sind sie zusätzlich durch den Wettbewerb mit Anbietern aus den Nachbarstaaten benachteiligt.
Doch auch die Entsorger und die Deponiebetreiber sind von den Kostensteigerungen betroffen. Letztere werden mangels geeigneter Deponiemöglichkeiten mit dem Problem eines Entsorgungsstaus konfrontiert.
Es droht also ein Sanierungsstau oder gar ein Sanierungsstopp, den die FMI verhindern möchte. Klamminger: „Energie- und klimapolitisch sinnvolle und notwendige Sanierungsmaßnahmen sollten aufgrund dieser vermeidbaren Mehrkosten nicht in den Hintergrund gedrängt werden!“
Zudem würden Mineralwolleabfälle als Rohstoffe der Zukunft nicht mehr eingesetzt werden können, was nicht im Sinne der Grundsätze der Kreislaufwirtschaft wäre.
 
Was geplant ist: Mineralwolleabfälle sollen künftig die neu zu schaffende Schlüsselnummer
SN 31437 41 g erhalten. Diese Schlüsselnummer steht für „Asbestabfälle, Asbeststäube und andere Mineralfasern mit asbestähnlichen Eigenschaften, Mineralfasern mit gefahrenrelevanten Eigenschaften“. Dazu Universitätsprofessor Roland Pomberger: „Dafür existiert aus wissenschaftlicher Sicht keine Veranlassung und es widerspricht zudem den allgemeinen Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft.“
 
Was dagegen spricht: Die Beschreibung der neuen Schlüsselnummer trifft auf Mineralwolle nicht zu. Sie ist irreführend und suggeriert, Mineralwolleabfälle seien hochgefährlich. Das ist falsch und wissenschaftlich widerlegt. Mineralwolleabfälle sind nicht gefährlicher als die meisten anderen Bestandteile von Bauabfällen. Sie müssen daher auch in Zukunft wieder sach- und fachgerecht entsorgt werden können.
Qualitätsmineralwolle wird aus natürlichen Rohstoffen (Steinen, Sand) und aus Recyclingmaterialien (Altglas) gewonnen. Sie ist daher ökologisch und natürlich sowie recycle- und wiederverwendbar. Durch ihre Alterungsbeständigkeit ist Mineralwolle darüber hinaus besonders wirtschaftlich und durch ihre einfache Handhabung problemlos zu verarbeiten. Mineralwolle und Asbest unterscheiden sich grundlegend in ihren Eigenschaften.
 
www.fmi-austria.at
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