Gleisbau abgeschlossen
Montag, 19. Dezember 2011, 10:45 Uhr
Am 15. Dezember 2011 wurde nach 20 Monaten Bauzeit die letzte Schiene bei der neuen Unterinntalbahn in Tirol verlegt. Die Neubaustrecke wird Mitte Dezember 2012 in Betrieb gehen.


Bis zu 350 Arbeiter waren in den vergangenen eineinhalb Jahren zwischen Kundl und Baumkirchen in den Tunnels der neuen Unterinntalbahn im Einsatz. Rund um die Uhr wurde betoniert, Gleistragplatten verlegt und bis zu 120 m lange Stahlschienen fachgerecht verschraubt. Der finale „Lückenschluss“ erfolgte am 15. Dezember 2011 im Tiergartentunnel im Gemeindegebiet von Wiesing, als die letzte Schiene eingebaut wurde. „Die Hauptarbeiten für den größten Einzelauftrag der Unterinntalbahn sind mit heutigem Tag erfolgreich abgeschlossen. In weniger als einem Jahr werden die ersten fahrplanmäßigen Züge die Neubaustrecke mit bis zu 220 km/h befahren“, freute sich Georg-Michael Vavrovsky, Vorstandsdirektor der ÖBB-Infrastruktur AG. Somit steht die rund 40 km lange und nach dem letzten Stand der Technik errichtete zweigleisige Neubautrasse für die weiteren Tests bis zur Inbetriebnahme Mitte Dezember 2012 zur Verfügung. „Die Firmen und die ÖBB-Mitarbeiter haben sich mit Leidenschaft und Einsatz ordentlich ins Zeug gelegt. Wir sind mit diesem wichtigen Ausrüstungsschritt gut zwei Wochen vor dem Plan“, so Johann Herdina, ÖBB-Geschäftsbereichsleiter für die Umsetzung.
Mit der Inbetriebnahme im kommenden Fahrplan bietet die Neubautrasse vor allem Platz für den schnellen Personenfernverkehr sowie den Gütertransport. Auf der bestehenden Bahnstrecke entsteht durch die Entlastung mehr Platz für den Ausbau des Nahverkehrs.
Höchste Präzision beim Fahrwegbau
Mit der neuen Unterinntalbahn errichtete die ÖBB-Infrastruktur in Tirol eine der modernsten Eisenbahnstrecken Europas. So haben die Techniker auf einer Länge von 23 km ein Masse-Feder-System als wirkungsvollen Erschütterungsschutz hergestellt. Siedlungsgebiete zwischen Kundl und Baumkirchen werden so vor spürbaren Auswirkungen aus dem Bahnbetrieb wirksam geschützt. Mit höchster Laufruhe werden die Züge über eine sogenannte „Feste Fahrbahn“ geführt. Alle Schienen sind bei diesem modernen System auf Fertigteilplatten aus Beton verschraubt. Johann Herdina: „Trotz tonnenschwerer Stahlschienen und viel Beton arbeiten die Bautrupps wie Feinmechaniker. Die endgültige Gleislage passt millimetergenau.“
Rail Cargo Austria sorgte für funktionierende Lieferlogistik
Die Logistik zur Abwicklung der Gleisbaustellen mit 120 m langen Schienenstücken war für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung. Allein die Betonanlieferung von 300.000 m³ hätte – wäre sie per LKW erfolgt – eine 500 km lange durchgehende Fahrzeugschlange von Innsbruck bis nach Wien verursacht. Die Logistiker der ausführenden Firmen, die Experten der Rail Cargo Austria und die ÖBB-Betriebsplaner haben in der Vorbereitung zur Umsetzung perfekt zusammengearbeitet. So konnte der überwiegende Anteil des benötigten Baumaterials, unter anderem die gesamten Schienen und der Gleisschotter umweltfreundlich per Bahn auf die Baustellen geliefert werden. Wo dies nicht möglich war, nutzten die Transporteure das Netz der ÖBB-Baustraßen und temporären Autobahnanschlüsse. Allein für die Anlieferung der tonnenschweren Gleistragplatten vom Beton-Fertigteilwerk im Unterinntal auf die Baustelle wurde täglich ein Zug mit zehn Waggons und über 900 t Gesamtgewicht in den bestehenden Fahrplan ohne Störung des regulären Betriebes eingebunden.
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